Sonntag, 15. September 2013

Mein Umstieg von Windows auf Linux

Dieser Artikel stammt von meinem alten Blog aus dem Jahr 2009.

Nachdem mich in diesem Jahr bereits das dritte Virus erwischt hatte und mein Computer nur noch ein böses Blau auf dem Bildschirm zeigte, entschloss ich mich, grundsätzliche Schritte zu unternehmen um solche Dinge in der Zukunft auszuschließen.

Eigentlich bin ich extrem vorsichtig mit meinen Rechnern. Ich lade nur von seriösen Quellen herunter, nutze kein Filesharing, bezahle jedes Jahr meinen Obolus an Kaspersky und an den Einstellungen meiner Firewall würden sich auch geübte Hacker die Zähne ausbeißen.

Kurz vor dem letzten Absturz wollte ich mir ein kleines Hilfsprogramm aus dem Netz holen. Die Seite sah auf den ersten Blick aus wie PC-Welt, allerdings nur auf den ersten. Nach dem Ausführen der .exe startete der Rechner plötzlich neu und das war es dann gewesen. Dummerweise hatte ich die externe Festplatte mit der Datensicherung angeschaltet, so das auch meine Sicherung nicht mehr zu gebrauchen war. Mit viel Mühe gelang es mir, wenigstens einen Teil der wichtigsten Daten wieder herzustellen.

Da ich sowieso neu installieren musste, dachte ich mir dann kannst Du gleich den schon lange geplanten Umstieg auf Vista vollziehen. Vor einiger Zeit hatte ich für 600 Euro die Ultimate-Version des Programms erstanden und dies testweise auf einem meiner Laptops installiert. Nach der Installation auf dem Tower scheiterte ich allerdings an der Aktivierung. Bei meinem Anruf bei Microsoft erklärte man mir, dass ich nur die Lizenz für einen Rechner erworben hätte und eine Installation auf einem zweiten Rechner laut den Bestimmungen der EULA nicht gestattet sei. Dabei hatte ich doch beim Erwerb extra nachgefragt ob eine Installation auf mehreren Rechnern erlaubt sei. Darauf empfahl man mir den Kauf der Ultimate-Version. Von diesen Zusagen wollte man nun nichts mehr wissen. Dies war der berühmte, letzte Tropfen der das Fass überlaufen ließ. Still vor mich hin fluchend dachte ich über Alternativen nach.

Dunkel erinnerte ich mich, mal etwas von Linux gehört zu haben. Bei meiner Recherche im Netz kam ich zu dem Schluss, das Ubuntu die für mich am besten geeignete Distribution ist. Laut Wikipedia ist einfach zu bedienen und zu installieren und für jeden Anwendungszweck steht mindestens ein Programm zur Verfügung. Am meisten überraschte mich die Aussage, dass es praktisch keine Viren für Linux gibt. Und das Linux nichts kosten sollte.

Auf der Webseite www.linux-forum.de informierte ich mich, wie ich an das neue Betriebssystem kommen könnte. Da ich nicht 4 bis 6 Wochen warten wollte bis man mir eine fertige Live-CD zusendet, entschloss ich mich diese von der Webseite herunter zu laden und als ISO-Image auf eine CD zu brennen. Allerdings erforderte schon die Auswahl der richtigen Version einigen Recherche-Aufwand. Von Rechner-Architekturen hatte ich schon mal gehört, doch wie mein Computer aufgebaut war musste ich erst herausfinden. Bei der Auswahl der verschiedenen CD und DVD Versionen entschloss ich mich der Einfachheit halber für die Desktop-Variante. Sehr vorteilhaft ist bei dieser Version, dass man Ubuntu von der CD starten und ausprobieren kann, ohne das eigentliche Betriebssystem zu verändern. Entschließt man sich nach dem Testen zu einer Installation, so ist dies, über eine graphische Oberfläche ohne Probleme möglich.

Die Installations-Anleitung auf der Webseite ist sehr detailliert und auch für Computer-Laien sehr gut verständlich. Wer sich noch nicht für einen vollständigen Umstieg entscheiden kann, hat die Möglichkeit Ubuntu auf einer zusätzlichen Partition der Festplatte zu installieren.
Während der Installation hilft ein Programm diese Partition einzurichten. Zu beachten ist, dass vor der Installation ein Defrag durchgeführt wird, sonst kann es passieren, dass entweder ein Partitionieren nicht möglich ist oder Windows hinterher nicht mehr funktioniert. Da immer etwas schief gehen kann, ist eine vorherige Datensicherung obligatorisch. Über den Grub-Loader, der automatisch mit installiert wird, kann man später beim Start des PC entscheiden, mit welchem Betriebssystem man arbeiten möchte.

Nachdem ich ein wenig mit meinem neuen Betriebssystem gespielt hatte, war ich zunächst hellauf begeistert. Vieles funktionierte ähnlich wie unter Windows. Ich hatte als Web-Browser den gewohnten Firefox und mit Open Office arbeite ich auch schon mehrere Jahre. Doch der Teufel steckt bekanntlich im Detail.

Nach und nach musste ich erkennen, dass Linux nicht Windows ist und es auch nicht sein will. Linux ist anders! Ganz anders.

Die Probleme begannen als ich wie gewohnt bei der Arbeit über das Internet Radio hören wollte. Der Player lief doch es kam kein Ton aus meinen Lautsprechern. Kann ja keine große Sache sein, dachte ich mir und begab mich in die, in diesem Moment noch, unergründlichen Tiefen meines neuen Betriebs-Systems. Nachdem ich etwa eine Stunde hin- und hergestellt hatte, schwieg mein Ubuntu weiterhin beharrlich... Als ich im Ubuntu-Forum um Hilfe bat, waren auf der Stelle diverse User bereit mir zur Seite zu stehen. Allerdings hätten deren Anweisungen auch in chinesisch sein können. Ich verstand nur Bahnhof. Ich wurde mit unverständlichen Begrifflichkeiten zugeschüttet, dass ich mich nach kurzer Zeit fragte ob ich hier in einem elitären Informatiker-Forum gelandet bin und nicht auf einer Support-Seite für Ubuntu-Neulinge. Mein Nachfragen was Dieses oder Jenes bedeutet wurden ignoriert.

Da ich nicht so schnell aufgebe, begann ich mich im Wiki schlau zu machen. Jeder Beitrag den ich las, machte die Lektüre von drei weiteren Artikeln nötig. Nach vier Stunden wusste ich was ich wissen wollte und voller Stolz und Glück hörte ich aus meinen Boxen, wie Falco „Out of the dark“ intonierte. Nie zuvor hatte mich ein Lied glücklicher gemacht. Dabei mag ich Falco eigentlich nicht.

Später stellte ich fest, dass im Forum erwartet wird, das man sich selbst mit dem Betriebssystem auseinandersetzt. Sich daraus ergebende Fragen werden bereitwillig beantwortet. Allerdings wird man mit einer Fragestellung wie: „Ich habe keinen Ton“ auf eine Mauer des Schweigens stoßen oder Kommentare ernten, die man nicht wirklich gern hört.

Das nächste Problem war das Inbetriebnehmen meines Headset-Mikrofons. Ich muss sehr viel telefonieren und lebe im Ausland. Daher war bisher Skype für mich die beste Alternative. Selbstverständlich wollte ich die Software auch unter Linux nutzen. Leider nur mit mäßigem Erfolg. Auf einem Rechner funktioniert Skype tadellos. Leider steht der im Büro meiner Frau und nutzt mir dort nichts. Auf einem meiner Rechner ist es mir bis heute nicht gelungen das Mikrofon zum Laufen zu bekommen und auf einem anderen PC geht es mal und mal wieder nicht. Alle Einstellungen gleich gesetzt und auch in Variationen ausprobiert. Nichts hat geholfen. Dies ist wahrscheinlich abhängig von der mittleren Wassertemperatur im Mariannen-Graben oder von dem Abschneiden der chinesischen Langläufer bei den inner-asiatischen Meisterschaften.

Ein weiteres Problem bekam ich, als ich eine externe Festplatte anschließen wollte. Dies wurde vom Verkäufer unter Windows auf Funktion geprüft ohne das er die Hardware sicher entfernt hatte. Er zog die Platte einfach von seinem Rechner ab. Als ich diese Zuhause anschloss, teilte mir Ubuntu mit, das ich die Platte erst mounten müsse vorher ginge nichts. Nach der Lektüre diverser Anleitungen meinte ich zu wissen was ich wissen müsste. Ein Trugschluss. Im Forum bat ich um Hilfe, doch nur um nach vier Stunden noch immer mit einer nicht funktionierenden Platte da zu stehen. Nach dem mich meine Frau wegen der Biss-Spuren in der Schreibtischkante zur Sau gemacht hatte, ging ich schlafen. Als ich am nächsten Morgen den Rechner startete, arbeitete die Platte als hätte sie nie etwas anderes gemacht. Ich hatte nichts verändert!?

In diesem Zusammenhang, sei noch Folgendes erwähnt.
Die verschiedenen Linux-Foren im Internet haben höchst unterschiedliche Qualität. Am Anfang suchte ich auf www. Ubuntusers. de Hilfe und Rat. Dort tummeln sich jedoch in erster Linie die jugendlichen Ubuntu-Nutzer. Der Ton der dort herrscht ist oft nicht angenehm und viele der User wollen sich vor dem Neuling mit Ihrem Wissen produzieren. Dies hat zur Folge, dass Antworten auf Fragen absolut unverständlich formuliert werden und oftmals keine große Hilfe sind. Ebenso scheinen die meisten der User das Wort Sozialkompetenz nicht zu kennen.
Ein besseres Forum ist: www.linux-forum.de

Doch trotz der genannten Probleme, werde ich es weiter mit Linux versuchen. Warum? Mir gefällt die Grundidee von Linux. Linux ist freie Software. Dabei ist mit frei nicht nur umsonst gemeint. Sondern als frei im Sinne von Freiheit. Dieses frei meint , das man als User die Möglichkeit hat, sein Betriebssystem so anzupassen wie man dies möchte und wie es im einzelnen Individualfall am sinnvollsten ist. Während bei Microsoft der Programm-Code zu den am besten gehütetsten Geheimnissen auf diesen Planeten gehört, so ist der Programm-Code bei Linux offen und jeder kann ihn bearbeiten, ergänzen und verbessern.

Ein Vorteil dieser Strategie ist, das die Linux-Nutzer oftmals schon heute die Software von Morgen oder Übermorgen nutzen können. Sobald der oder die Entwickler eine Software als stabil ansehen, wird diese der Linux-Gemeinde zur Verfügung gestellt. In den meisten Fällen lange bevor dies bei proprietärer Software der Fall ist.

Etwas das mir persönlich am besten gefällt ist, dass Linux absolut kostenlos ist. Ich bekomme ein vollständiges Betriebssystem und unendlich viel Software für jeden Einsatzzweck zum Nulltarif. Für Vergleichbares zahlt man bei kommerziellen Anbietern unter Umständen mehrere tausend Euro. Wenn ich mir nur vor Augen halte, was Vista, MS-Office und Adobe Photoshop kosten, wird mir schwindlig. Bei Linux gibt es diese Programme zur freien Nutzung. Sie heißen hier Ubuntu, Open Office und Gimp. Die Funktionalitäten sind mindestens genau so gut. Dafür lohnt sich auch der Aufwand den man hat, wenn man lernt sein neues Betriebssystem zu verstehen.

Es gibt gravierende Unterschiede zu Windows. Dies liegt jedoch daran, dass Linux nicht Windows sein möchte! Linux wird von seinen Nutzern und Entwicklern als Alternative und nicht als Ersatz zu Windows verstanden.

Wer plant es mit Linux zu versuchen, muss sich darauf einstellen, das er wieder zum absoluten Anfänger mutiert. Das Wissen, dass man sich bei der Bedienung von Windows in vielen Jahre erworben hat, ist hier nicht viel wert. Im Gegenteil. Es kann sich als eher hinderlich erweisen.

Dennoch kann ich jeden nur zu dem Schritt ermutigen. Linux hat mich persönlich begeistert. Sowohl von seiner Grundidee als auch von seiner Bedienbarkeit. Obwohl ich mit Sicherheit noch einige Stunden meines Lebens mit dem Lesen von Anleitungen verbringen werde. Inzwischen habe ich mehr über die Funktionalitäten meines PC gelernt als in den ganzen Jahren mit Windows.

Meine Frau ist mehr der typische PC-Anwender. Sie sagt sie bemerkt keinen Unterschied bei der täglichen Benutzung. Allerdings hatte ich ihr den Rechner vorher eingerichtet. Mein persönliches Fazit: Ich werde in der Zukunft auf allen meinen Computern Linux einsetzen. Der Weg zurück zu Windows, kommt für mich nicht mehr in Betracht.

Andre Hoek

Foto: Wikimedia Commons - Autor: Macguy314

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