Mittwoch, 18. September 2013

Die Wiederentdeckung der Kernseife

Als ich vor einigen Wochen eine Dokumentation über Plastik sah, sprach ich mit meiner Frau von der enormen Schädlichkeit von Plastik in vielerlei Hinsicht.
Bei unserem Gespräch stellten wir fest, dass fast alles, das uns so umgibt, aus Plastik besteht. Unter anderem auch die Behälter für Duschgel und Shampoo.
Um Plastik zu vermeiden, wo es geht, beschlossen wir, uns in der Zukunft mit Seife zu waschen.

Meine Frau brachte am nächsten Tag ein Stück Seife mit, doch aus Versehen hatte sie Kernseife gekauft.
Nun kannte ich diese Seife noch aus meiner Jugend und wusste, dass man damit gröberen Schmutz sehr gut abbekommt und auch, dass sie sich gut dafür eignet, um zum Beispiel verschmutzte Hemdkragen wieder sauber zu bekommen. Das war es dann aber schon.

Da wir die Kernseife nun mal im Haus hatten, wollte ich wissen, was man damit alles so anstellen kann. Bei meiner Internetrecherche fand ich Erstaunliches heraus.
Kernseife wurde von diversen Leuten als Mittel der Wahl für viele Anwendungszwecke angepriesen.

Weil ich ja immer alles ganz genau wissen muss, beschlossen wir, einen Selbstversuch zu starten. Unser Plan war, überall im Haushalt chemische Produkte durch Kernseife zu ersetzen.

Dazu schnitt ich mir etwa 200 Gramm Kernseife in kleine Stücke. Das geht ganz leicht, weil Kernseife in etwa die Konsistenz von Kerzenwachs hat. Man kann die Seife auch mit einer Küchenreibe raspeln. Ganz wie man es mag.
Diese Würfel gab ich in ein Gefäß und überschüttete sie dann mit einem knappen Liter kochendem Wasser. Nach etwa sechs Stunden war aus der Lösung eine schleimig aussehende Substanz geworden.
Zugegeben, nicht besonders lecker anzusehen... Aber ich wollte das Zeug ja auch nicht essen.

Als erstes probierte meine Frau, damit die Böden zu wischen. Da wir zwei Hunde haben und diese ihr Futter manchmal als Spielzeug benutzen, wobei der Fußboden immer einigermaßen in Mitleidenschaft gezogen wird, waren hartnäckige Flecken zu beseitigen. Sonst hatten wir hier als Reinigungsmittel Chlor eingesetzt.
Schon während meine Frau wischte, begann sie von der Kernseife zu schwärmen, wie gut diese doch den Boden sauber bekomme. Auch nach dem Trocknen war das Ergebnis überzeugend. Der Boden glänzte, wie mit der besten Haushaltschemie. Was fehlte war lediglich der blumige Duft der herkömmlichen Reiniger. Es roch einfach nach nichts.
Wenn man sich jedoch vor Augen hält, dass das Duftmittel in den Reinigern ebenfalls reine Chemie ist, kann man gut darauf verzichten.

Der nächste Test war das Duschen mit Kernseife.
Da ich als Mann ja immer mit gutem Beispiel vorangehen möchte, übernahm ich diesen Part.
Dazu muss ich erklären, dass ich seit meiner Jugend unter sehr fettiger Haut und auch Pickeln leide. Auch sehr fettiges Haar gehörte zu meinen Problemen.
Trotzdem dachte ich mir, was solls und begab mich mit einem Stück Kernseife in die Nasszelle.
Ein bisschen skeptisch war ich ja schon, schließlich hatte das Zeug unsere Fußböden blitzblank gewienert...

Mutig seifte ich mich ein.
Das Erste, das mir auffiel war, dass ich mit dem Einseifen des Körpers viel schneller fertig war als mit Duschgel. Auch das Abspülen ging wesentlich schneller als gewöhnlich.
Nach dem Abtrocknen war meine Haut wie immer.

Der Aha-Effekt stellte sich am nächsten Tag ein. Ich merkte deutlich, dass meine Haut sich anders, besser anfühlte als gewöhnlich. Und auch meine Haare fühlten sich an, als wenn ich gerade geduscht hätte.
Nach einigen Tagen Waschen mit der Kernseife verschwanden sogar die meisten meiner Hautunreinheiten.
Aus diesem Grund ist Kernseife mit Sicherheit für Teenager in der Pubertät interessant.

Mein Shampoo stelle ich mir inzwischen auch selber her. Dazu einfach ein paar Kernseife-Flocken mit kochendem Kamillentee übergießen. Im Anschluss kann man sich noch etwas Zitronenschale hineinraspeln und fertig ist das neue Shampoo.

Für meine Frau war das Duschen mit Kernseife leider nichts. Sie hat eh schon sehr trockene Haut und mit Kernseife wurde dieses Problem verschlimmert.

Fazit: Wer den richtigen Hauttyp hat, für den gibt es nichts besseres als Kernseife zum Duschen. Wegen der Einschränkung mit den unterschiedlichen Hauttypen, hier nur ein halber Punkt.
½ : 0 für die Kernseife.

Die nächste Prüfung, der sich die Kernseife in unserem Test unterziehen lassen musste, war der Haushalt.
Wie schon beschrieben, waren unsere Böden pikobello sauber geworden.

Jetzt kam der Abwasch an die Reihe.
Ganz ehrlich? Ich habe nicht gedacht, dass die Kernseife diese Aufgabe meistern würde.
Zuerst begann meine Frau! (...jaja, ich gehe nicht überall mit gutem Vorbild voran...:-) mit der zu Beginn beschriebenen Kernseifen-Lösung, sich an angebrannte Töpfe zu machen, bevor wir diese in die Spülmaschine stellten. Normaler Weise muss man solche Verschmutzungen immer mit Geschirrspülmittel einweichen, um diese zu lösen.
Bei der Verwendung von Kernseife reichte die raue Seite des Küchenschwamms, um in kürzester Zeit selbst angebrannte Milch ab zu bekommen. Auch die Außenseiten der Töpfe, die von unserem Gasherd in Mitleidenschaft gezogen werden, konnte man mit Kernseife in kurzer Zeit sauber bekommen.
Ebenso wurden Edelstahl-Flächen mit Kernseife super gut sauber und sie glänzten, ohne dass man nachpolieren musste.
1½ : 0 für die Kernseife.

Nun kam der Härtetest in der Spülmaschine.
Anstelle eines Tabs kam Kernseifen-Lösung in das Fach. Deckel zu und gewartet. Das Ergebnis war sehr überzeugend. Alles war super sauber geworden!
Lediglich bei alten Teetassen hatte die Kernseife Probleme. Doch unsere Geschirrspültabs hatten diesen Schmutz auch nicht geschafft.
2½ : 0 für die Kernseife.

Als nächstes probierten wir Kernseife als Waschmittel aus.
Auch hier war ich zunächst skeptisch. Vorsichtshalber wuschen wir zuerst nur eine Ladung Handtücher damit.
Dazu einfach etwas von dem Kernseifen-Brei in das Waschmittel-Fach geben, Weichspüler in das andere Fach und schon kann es los gehen.
Auch hier hat die Kernseife ganz klar überzeugt. Die Wäsche war blitzesauber und roch auch Dank des Weichspülers wie gewohnt.
Inzwischen waschen wir ausschließlich mit unserem neuen Waschmittel.
3½ : 0 für die Kernseife.
Update: Nach einigen Wochen merkten wir, dass weiße Wäsche eine Tendenz zum Vergrauen bekam. Beim Nachlesen warum, stieß ich auf die Wasserhärte.
Kernseife ist als Waschmittel nur bei weichem bis mittelharten Wasser geeignet.

Jetzt wollte ich es richtig wissen.
Wir hatten in unserer Küche das Metallsieb der Dunstabzugshaube einige Zeit lang nicht gereinigt. Ich weiß, Asche auf mein Haupt...
Der Metallfilter sah aus, wie so ein Sieb eben aussieht, nachdem man es eine Weile nicht sauber gemacht hat. Auf gut Deutsch. Es war rotzedreckig.
Ich nahm mir eine flache Schüssel, löste etwas von dem anfänglich erwähnten Kernseife-Wasser-Gemisch in warmen Wasser auf und legte das Sieb über Nacht in diese Lösung.
Als ich es am nächsten Tag heraus nahm, war sie wieder da, die große Überraschung. Das Fett floss schon beim Anheben aus dem Filter heraus. Ich musste nur noch mit heißem Wasser nachspülen und das Ding sah aus, wie eben gekauft. Das war mehr als überzeugend.
4½ : 0 für die Kernseife.

Zusätzlich kann man Kernseife dazu verwenden, wenn man kleine Entzündungen hat oder sich einen Splitter eingezogen oder eingetreten hat. Einfach die Hände oder Füße in einem Kernseife-Bad einweichen und ohne abspülen abtrocknen. Auf diese Weise heilen kleine Entzündungen wesentlich schneller ab bzw. lassen sich Splitter sehr einfach entfernen.
5½ : 0 für die Kernseife.

Auch Maler berichten immer wieder davon, dass sich die teuren Pinsel sehr gut mit Kernseife reinigen lassen und diese obendrein noch viel länger zu gebrauchen sind.
6½ : 0 für die Kernseife.

Es gibt Menschen, die davon berichten, dass sie nicht mehr unter nächtlichen Krämpfen in den Beinen leiden, seit sie in ein Stück Kernseife im Bett liegen haben.
Ob dies nun stimmt, lasse ich mal dahingestellt. Im Zweifelsfalle, einfach ausprobieren. Deshalb hier auch keine Wertung.

Das Fazit des Selbstversuchs ist also: 6½ : 0 für die Kernseife.

Kernseife kann man für viele Anwendungen im Haushalt benutzen. Sie eignet sich, mit gewissen Einschränkungen, sehr gut für die Körperpflege, kommt selbst mit groben Fettschmutz klar und man kann sie mit ruhigem Gewissen als Universalmittel im Haushalt und Bad empfehlen.

Zudem ist Kernseife ein natürliches Produkt und zu 100 Prozent biologisch abbaubar, womit man der Umwelt, in der man lebt, auch noch einen kleinen Gefallen erweist.
Außerdem vermeidet man jede Menge Plastik-Müll, der durch die Verpackungen entsteht. Zu dieser Thematik gibt es demnächst mal einen Extra-Blog-Beitrag.

Der letzte Punkt, der zu erwähnen bleibt, ist der unschlagbare Preis der Kernseife.
Bei uns gibt es drei große Stücke für 1,80 Euro. Damit reicht man, je nach persönlichem Bedarf, bis zu drei Monate. Versuchen Sie das mal mit herkömmlichen Mitteln.

Kernseife findet man entweder in gut sortierten Drogerien oder im Supermarkt. Dort aber meistens nicht in der Abteilung für Körperpflege, sondern bei den Reinigungsmitteln.

Wer jetzt auch Lust auf einen solchen Versuch bekommen hat, kann seine Erfahrungen gern in die Kommentare schreiben. Vielleicht entdeckt der eine oder andere noch weitere Anwendungsgebiete oder kann diesen Beitrag ergänzen.
Das würde mich sehr interessieren.

Bis hierhin...

Andre Hoek

Foto: Wikimedia Commons - Autor: Simon A. Eugster

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