Samstag, 26. Dezember 2020

Projekt-X - Obdachlosen helfen

 

Obdachlosen helfen - Projekt-X
Projekt-X - Hilfe für Obdachlose
Bei meinen Vorträgen werde ich immer wieder gefragt, wie man den obdachlosen Menschen auf der Straße helfen kann. Ich kann dann wegen der Komplexität der Antwort immer nur wenige Ratschläge geben. Deswegen kam ich auf die Idee, eine Webseite zu dem Thema ins Internet zu stellen.

Wenn es um Hilfe für Obdachlose geht, denken die meisten Menschen daran, Schlafsäcke und warme Mahlzeiten zu verteilen oder meistens sehr unwürdige Notschlafplätze zur Verfügung zu stellen. Eventuell noch daran, zwei Euro in den Becher eines bettelnden Obdachlosen zu werfen. So gut wie diese Aktionen auch gemeint sind, sie ändern nichts an dem Grundproblem. Die Obdachlosen leben und sterben weiterhin auf der Straße.

Um dieses Problem zu ändern, muss man neue Wege gehen. Statt wie bisher Almosen zu verteilen, muss darum gehen, die obdachlosen Leute konsequent von der Straße herunter zu holen und ihnen zu helfen, wieder den Weg in ein normales Leben zu finden. Mit eigener Wohnung und einem Arbeitsplatz, sofern dies möglich und gewünscht ist. Nun behandelt die Bundespolitik das Problem schon seit vielen Jahren mit konsequenter Gleichgültigkeit. Lediglich auf Landesebene und in den Kommunen beginnt sich seit einiger Zeit etwas in diese Richtung zu verändern. Besonders Berlin und Hamburg sind hier als sehr vorbildlich zu nennen. Allerdings fehlt es Letztgenannten sehr oft an den finanziellen Möglichkeiten.

Also muss man neue Wege gehen. Sehr viele Menschen wollen etwas für Obdachlose machen. Und hier setzt das "Projekt-X" an. Helfer finden sich in Kleingruppen von drei bis fünf Leuten zusammen und holen die Obdachlosen an Hand von funktionierenden Vorgehensweisen von der Straße. Genaue Anleitungen findet man auf der Webseite. Zusätzlich steht ein Forum zur Vernetzung zur Verfügung und mit einem Chat oder per Telefon kann man sich Rat holen, wenn es mal schnell gehen muss. Die Vorgehensweise ist bewährt, da es genau der Weg war, den ich genommen habe um von der Straße wieder in ein geordnetes Leben zu kommen. Diesen Weg bin ich schon mit vielen Obdachlosen gegangen und konnte sie damit von der Straße retten.

Meldet Euch im Forum auf der Seite an und macht mit!

Projekt-X

Sonntag, 22. November 2020

Horst - Die unendliche Geschichte...

Horst vor ein paar Tagen vor
dem Berliner HBF

 ...oder das Totalversagen des Hilfesystems.

Ich hatte schon mehrfach über Horst berichtet. Meinen ersten Bericht findet Ihr hier. Damals wurde Horst in der Nacht von einer Gruppe Jugendlicher überfallen, zusammengeschlagen und ausgeraubt. 
Etwas später von der Berliner Stadtmission, aufgrund fehlender Kostenübernahmen aus einem Übergangshaus einfach wieder auf die Straße geworfen. Mein damaliger Bericht ist hier zu finden. Menschlichkeit und Verständnis ist dort wohl eher nicht zu finden. Trotz aller permanent propagierten, christlichen Werte.

Ich persönlich habe dort Gleiches erlebt.
Mitten im Winter wurde ich schwer krank und im Rollstuhl sitzend von Heute auf Morgen dort raus geworfen. Drei Tage später wäre ich am Hauptbahnhof fast erfroren. Als man mich fand, hatte ich nur noch 29°C Körpertemperatur!
Und es gibt sehr viele Berichte dieser Art. Das Verhalten dieser Leute ist also programmatisch und leider kein Einzelfall.

Und die Geschichte geht weiter.
Horst hat den Sommer auf der Straße verbracht und wurde in dieser Zeit lediglich durch andere Obdachlose unterstützt.
Gestern rief mich ein ehemaliger Obdachloser an und berichtete mir Folgendes.
Horst hat körperlich und psychisch extrem abgebaut. Zudem ist er vermutlich altersdement. Er braucht Hilfe, wenn er zur Toilette möchte und ist kaum noch in der Lage sich selbst bei nur einfachsten Dingen zu helfen.

Sonntag, 5. April 2020

"Zehn Euro für jeden Obdachlosen" - Was meine Helferinnen dazu schreiben

Jenny und Nina
Gestern war ich mit Jenny und Nina Goos unterwegs um Eure Spenden an die obdachlosen Menschen in Berlin zu verteilen.
Wir hatte uns früh am Morgen getroffen, vorher Geld zusammen gelegt und dann 80 Brötchen mit jeweils Käse, Wurst und einem Salatblatt zu belegen. Zusätzlich haben wir noch Eier hart gekocht.
Gegen 11.00 Uhr machten wir uns auf dem Weg und übergaben den Obdachlosen einen Zehn-Euro-Schein, zwei lecker belegte Brötchen und ein hartgekochtes Ei.
Die Menschen da draußen haben sich unglaublich gefreut. Nach meinem Dafürhalten fast mehr über meine sehr charmanten Begleiterinnen als über die Spenden...:-)
Alles in Allem war es eine sehr gelungene Aktion.
Am Ende bat ich die Beiden mir einen Artikel über ihre Eindrücke zu schreiben. Hier nun ihre Berichte.

Mittwoch, 1. April 2020

Horst bekommt jetzt Hilfe!

Die neue ganztägig geöffnete Notunterkunft für Obdachlose
Vor ein paar Tagen hatte ich auf Facebook über Horst berichtet.
Uns beide verbindet eine längere Geschichte einen sehr schlimmen Teil dieser könnt Ihr hier nachlesen.

Hier nochmal in aller Kürze.
Horst hatte 66 Jahre lang ein ganz normales Leben. Er hatte als Garten- und Landschaftsbauer gearbeitet und ging mit 65 Jahren ganz normal in Altersrente. Als er 66 Jahre alt war, starb seine Frau.
Horst verfiel in tiefste Trauer und konnte sich aufgrund dieser nicht mehr um sein Leben kümmern. Er hörte auf seine Rechnungen zu bezahlen und es kam wie es kommen musste. Eines Tages stand sein Vermieter mit einem Räumungsurteil in der Tür und Horst wurde obdachlos.
Er hielt sich dann für etwa sechs Monate in Frankfurt/Oder auf und kam dann nach Berlin, wo wir uns kennen lernten.

Ein paar Wochen später wurde er in einer Nacht, als er unter einer Brücke in der Nähe des Hauptbahnhofs schlief, überfallen.  Den Link zu meinem Bericht von damals findet Ihr oben oder hier.
Ich leistete damals Nothilfe und brachte Horst übergangsweise in einer Notunterkunft unter. Es gab dann noch eine längere Odyssee, auch wieder mit Phasen der Obdachlosigkeit, bis er im Dezember 2018 in dem Obdachlosenwohnheim der Berliner Stadtmission in der Lehrter Straße unterkam.
Horst fühlte sich dort sehr wohl. Er hatte ein eigenes Zimmer, durch seine Rente Geld zum Leben und es ging ihm gut.

Bis es im Dezember letzten Jahres plötzlich eines Morgens an seiner Zimmertür klopfte. Als er öffnete offerierte ihm eine Sozialarbeiterin, dass sie nun nach einem Jahr Aufenthalt dort keine Kostenübernahme mehr für ihn bekommen könne. Er solle packen und die Einrichtung verlassen. Man war noch so nett, ihn in eine andere Einrichtung zu fahren. Allerdings konnte er dort nicht bleiben.
Er hätte den Aufenthalt dort komplett selbst bezahlen müssen (weil Rentner) und es wäre ihm von seiner Rente nichts mehr zum Leben geblieben. Zudem war die Toilette eine Etage tiefer und dieser Weg wäre ihm, aufgrund einer Gehbehinderung, zu beschwerlich beziehungsweise fast unmöglich gewesen.

Montag, 30. März 2020

Eure Hilfe kommt an! Zehn Euro pro Tag für Obdachlose in Berlin

Vor zwei Tagen bat ich Euch mir mit Spenden für die obdachlosen Menschen draußen auf den Straßen Berlins zu helfen.
Meine Motivation für diese Aktion war, dass mich seit den Ausgangsbeschränkungen rund um Corona immer mehr Hilferufe von der Straße erreichten. Dadurch das nun viel weniger Menschen auf den Straßen unterwegs sind, brechen vielen Obdachlosen ihre Einnahmen weg und da obdachlose Menschen in der Regel keinerlei Rücklagen haben, hat sich die Situation innerhalb weniger Tage zu einem wirklichen Drama entwickelt.
Zudem haben viele Hilfseinrichtungen geschlossen oder laufen im Notbetrieb. Es gibt kaum noch ärztliche Versorgung, kein Duschen mehr und auch kein Sitzen im Warmen mehr und sei es auch nur für die eine Stunde, die in den meisten Einrichtungen möglich ist.

Heute war ich das erste Mal draußen unterwegs um den Menschen Eure Spenden zu bringen.
Nun bin ich ja regelmäßig auf den Straßen Berlins unterwegs um den Obdachlosen zu helfen, doch heute war selbst für mich ein sehr außergewöhnlicher Tag.

In der Regel treffe ich bei jeder meiner Runden auf mehr oder minder große Not, doch heute spürte ich wirklich Verzweiflung. Diese wurde auch immer wieder geäußert.
Zum Beispiel: "...wir waren vom Alex bis Spandau unterwegs und haben in vier Stunden fünf Flaschen gefunden." oder "...gestern habe ich zwei Zeitungen verkauft. Wenn ich in die Bahn komme, ziehen sich die Leute den Schal vors Gesicht. Niemand gibt..." oder "...weißt Du, wo ich mich ein bisschen ins Warme setzen kann?" oder "...kannst Du beim nächsten Mal ein bisschen Wasser für den Hund mitbringen?
Ohne jetzt auf die Tränendrüse drücken zu wollen, aber es brach mir heute mehrfach das Herz.