Sonntag, 5. April 2020

"Zehn Euro für jeden Obdachlosen" - Was meine Helferinnen dazu schreiben

Jenny und Nina
Gestern war ich mit Jenny und Nina Goos unterwegs um Eure Spenden an die obdachlosen Menschen in Berlin zu verteilen.
Wir hatte uns früh am Morgen getroffen, vorher Geld zusammen gelegt und dann 80 Brötchen mit jeweils Käse, Wurst und einem Salatblatt zu belegen. Zusätzlich haben wir noch Eier hart gekocht.
Gegen 11.00 Uhr machten wir uns auf dem Weg und übergaben den Obdachlosen einen Zehn-Euro-Schein, zwei lecker belegte Brötchen und ein hartgekochtes Ei.
Die Menschen da draußen haben sich unglaublich gefreut. Nach meinem Dafürhalten fast mehr über meine sehr charmanten Begleiterinnen als über die Spenden...:-)
Alles in Allem war es eine sehr gelungene Aktion.
Am Ende bat ich die Beiden mir einen Artikel über ihre Eindrücke zu schreiben. Hier nun ihre Berichte.

Mittwoch, 1. April 2020

Horst bekommt jetzt Hilfe!

Die neue ganztägig geöffnete Notunterkunft für Obdachlose
Vor ein paar Tagen hatte ich auf Facebook über Horst berichtet.
Uns beide verbindet eine längere Geschichte einen sehr schlimmen Teil dieser könnt Ihr hier nachlesen.

Hier nochmal in aller Kürze.
Horst hatte 66 Jahre lang ein ganz normales Leben. Er hatte als Garten- und Landschaftsbauer gearbeitet und ging mit 65 Jahren ganz normal in Altersrente. Als er 66 Jahre alt war, starb seine Frau.
Horst verfiel in tiefste Trauer und konnte sich aufgrund dieser nicht mehr um sein Leben kümmern. Er hörte auf seine Rechnungen zu bezahlen und es kam wie es kommen musste. Eines Tages stand sein Vermieter mit einem Räumungsurteil in der Tür und Horst wurde obdachlos.
Er hielt sich dann für etwa sechs Monate in Frankfurt/Oder auf und kam dann nach Berlin, wo wir uns kennen lernten.

Ein paar Wochen später wurde er in einer Nacht, als er unter einer Brücke in der Nähe des Hauptbahnhofs schlief, überfallen.  Den Link zu meinem Bericht von damals findet Ihr oben oder hier.
Ich leistete damals Nothilfe und brachte Horst übergangsweise in einer Notunterkunft unter. Es gab dann noch eine längere Odyssee, auch wieder mit Phasen der Obdachlosigkeit, bis er im Dezember 2018 in dem Obdachlosenwohnheim der Berliner Stadtmission in der Lehrter Straße unterkam.
Horst fühlte sich dort sehr wohl. Er hatte ein eigenes Zimmer, durch seine Rente Geld zum Leben und es ging ihm gut.

Bis es im Dezember letzten Jahres plötzlich eines Morgens an seiner Zimmertür klopfte. Als er öffnete offerierte ihm eine Sozialarbeiterin, dass sie nun nach einem Jahr Aufenthalt dort keine Kostenübernahme mehr für ihn bekommen könne. Er solle packen und die Einrichtung verlassen. Man war noch so nett, ihn in eine andere Einrichtung zu fahren. Allerdings konnte er dort nicht bleiben.
Er hätte den Aufenthalt dort komplett selbst bezahlen müssen (weil Rentner) und es wäre ihm von seiner Rente nichts mehr zum Leben geblieben. Zudem war die Toilette eine Etage tiefer und dieser Weg wäre ihm, aufgrund einer Gehbehinderung, zu beschwerlich beziehungsweise fast unmöglich gewesen.

Montag, 30. März 2020

Eure Hilfe kommt an! Zehn Euro pro Tag für Obdachlose in Berlin

Vor zwei Tagen bat ich Euch mir mit Spenden für die obdachlosen Menschen draußen auf den Straßen Berlins zu helfen.
Meine Motivation für diese Aktion war, dass mich seit den Ausgangsbeschränkungen rund um Corona immer mehr Hilferufe von der Straße erreichten. Dadurch das nun viel weniger Menschen auf den Straßen unterwegs sind, brechen vielen Obdachlosen ihre Einnahmen weg und da obdachlose Menschen in der Regel keinerlei Rücklagen haben, hat sich die Situation innerhalb weniger Tage zu einem wirklichen Drama entwickelt.
Zudem haben viele Hilfseinrichtungen geschlossen oder laufen im Notbetrieb. Es gibt kaum noch ärztliche Versorgung, kein Duschen mehr und auch kein Sitzen im Warmen mehr und sei es auch nur für die eine Stunde, die in den meisten Einrichtungen möglich ist.

Heute war ich das erste Mal draußen unterwegs um den Menschen Eure Spenden zu bringen.
Nun bin ich ja regelmäßig auf den Straßen Berlins unterwegs um den Obdachlosen zu helfen, doch heute war selbst für mich ein sehr außergewöhnlicher Tag.

In der Regel treffe ich bei jeder meiner Runden auf mehr oder minder große Not, doch heute spürte ich wirklich Verzweiflung. Diese wurde auch immer wieder geäußert.
Zum Beispiel: "...wir waren vom Alex bis Spandau unterwegs und haben in vier Stunden fünf Flaschen gefunden." oder "...gestern habe ich zwei Zeitungen verkauft. Wenn ich in die Bahn komme, ziehen sich die Leute den Schal vors Gesicht. Niemand gibt..." oder "...weißt Du, wo ich mich ein bisschen ins Warme setzen kann?" oder "...kannst Du beim nächsten Mal ein bisschen Wasser für den Hund mitbringen?
Ohne jetzt auf die Tränendrüse drücken zu wollen, aber es brach mir heute mehrfach das Herz.

Samstag, 28. März 2020

Helft mir bitte den Obdachlosen zu helfen

In den letzten Tagen erreichen mich immer mehr dringende Notrufe von Menschen die auf der Straße leben müssen. Es geht in sehr vielen dieser Nachrichten an mich um wirklich elementare Probleme. Sogar Hunger wird sehr häufig genannt!
Hinzu kommen verschiedene gesundheitliche Probleme und immer wieder höre ich von akutem Geldmangel.

Viele Hilfseinrichtungen für Obdachlose haben geschlossen oder sind im Notbetrieb. Hinzu kommt, dass immer weniger Menschen auf den Straßen und Plätzen unterwegs sind. Dies hat zur Folge, dass den obdachlosen Menschen auf der Straße die Einnahmen wegbrechen.
Wenn man sich bis Corona noch mit dem Verkauf der Obdachlosenzeitung, dem Flaschensammeln und dem Betteln wenigstens halbwegs über Wasser halten konnte, so reichen die Einnahmen im Moment sehr oft nicht mal dazu, sich satt zu essen. Davon sich mal ein Erkältungsmedikament aus der Apotheke zu holen, ist nicht mal im Traum zu denken.
Weil Obdachlose in der Regel keinerlei Rücklagen haben, hat sich die Situation innerhalb der wenigen Tage der aktuellen Kontaktsperre zu einem wirklichen Drama entwickelt.
Zu dem bereits erwähnten Hunger, kommen Erkältungskrankheiten und unendlich viele andere Probleme.

Montag, 16. März 2020

Situation der Obdachlosen in Berlin entwickelt sich dramatisch

Heute wurde ich von einem jungen obdachlosen Pärchen angerufen, die meine Hilfe benötigten. Vordringlichster Wunsch war, eine Unterkunft zu finden und dann gab es noch einige andere Probleme zu lösen.
Wir verabredeten uns und ich ging davon aus ein paar Telefonate zu führen und dann, wie immer, eine Lösung für ihre Probleme zu haben.
Nach etwa einer Stunde telefonieren musste ich einsehen, dass ich die jungen Leute unverrichteter Dinge wegschicken musste.