Mittwoch, 29. Januar 2020

Meine Gedanken zur "Nacht der Solidarität"

Seit einigen Wochen und speziell in den letzten Tagen ist die geplante Zählung der Obdachlosen in Berlin, auch "Nacht der Solidarität" genannt, in aller Munde.
Was ich persönlich als grundsätzliche gute und hilfreiche Idee ansehe, ist in den letzten Tagen, zu meinem großen Erstaunen, in die Kritik geraten.
Da sind Stimmen zu vernehmen wie: "Tiere werden gezählt, Menschen muss geholfen werden" und ähnlich polemischer Unsinn.

Die Zählung dient genau diesem Zweck, nämlich den obdachlosen Menschen da draußen auf den Straßen zu helfen. Es geht nicht nur darum eine Zahl zu haben und dann weiter zu machen wie bisher.
Diese Zählung hat Modellcharakter und ist bisher einzigartig in ihrer Art in der gesamten Geschichte der Bundesrepublik. Und sie ist ein wichtiges politisches Instrument.

Seit unendlich vielen Jahren benutzt die Bundespolitik das Argument, das man ja nicht genau wisse, wie viele Obdachlose es tatsächlich gäbe, deshalb könne man auch keine konkreten Maßnahmen beschließen. Und genau dieses Argument soll ihr nun endlich mit dieser Zählung genommen werden. Zumal diese Zählung praktisch als Musterbeispiel für andere Städte in Deutschland dient.
Viele Verantwortliche aus anderen Städten sind in der kommenden Nacht mit in Berlin unterwegs um diese Zählung beobachten und später auch in ihren Städten durchzuführen.
Wenn alles wie geplant und gedacht läuft, gibt es in kurzer Zeit eine bundesweite Statistik, die man dann auch in der Politik einsetzen kann. Zum Beispiel um die Bundespolitik endlich zum Handeln zu bewegen. Bisher ist dies ausschließlich Sache der Länder und Kommunen.
Mit der Erhebung dieser Zahlen können Gelder beantragt und auch Gesetzesänderungen durchgesetzt werden. Alles Dinge, die den Obdachlosen langfristig helfen werden.

Es geht auch nicht darum Obdachlose wie Vieh zu zählen.
Die Zählung der Menschen wird mit dem allergrößtem Respekt durchgeführt. Niemand wird bloßgestellt, es werden keine Lagepläne erstellt um die Obdachlosen später zu räumen oder ähnlicher Unsinn. Wer sich nicht beteiligen möchte, wird auch nicht behelligt.

Es ist absolut richtig, dass den obdachlosen Menschen konkret geholfen werden muss. Sie brauchen Wohnraum und adäquate Unterstützung um wieder in ein geregeltes Leben zurück zu finden.
Wer mich kennt weiß, dass ich mich als ehemaliger Obdachloser seit Jahren immer wieder genau dafür einsetze.
Und aus genau diesem Grund befürworte ich diese Zählung absolut!

André Hoek

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